Orgel Stiftertafel

Die Orgel der Marktkirche ist mit ihrem Barock-Prospekt von 1707 und ihren sechs erhaltenen Registern von 1680 und 1707 eine wahre Kostbarkeit unter den Orgeln Lippes. Als Erbauer einer neuen Orgel ist ein sonst nicht weiter bekannter „Johannes Fincke“ in den Originalhandschriften von 1702-1708 namentlich erwähnt. Sie stand vorne an der Emporenbrüstung und ragte mit ihrem kunstvoll verzierten Prospekt direkt in den Kirchenraum; sie war einmanualig und mit einem "angehengten Pedal und drey beständigen Bälgen" ausgestattet. Der Spieltisch befand sich seitlich, an der Orgel. Erst 1884 wurde die Orgel bei einem umfangreichen Umbau durch die Orgelbaufirma Klaßmeyer aus Kirchheide zweimanualig und erhielt ein selbstständiges Pedal. Der Barock-Prospekt wurde nach hinten verschoben. Der Spieltisch kam nach vorne, wo sich früher das Stifterwappen befand. Das Rückpositiv wurde erst 1947 bei der von der Orgelbaufirma Emil Hammer, Hannover, ausgeführten Restaurierung neu erbaut. 1962-1966 wurde eine erneute gründliche Überholung notwendig. Fast alle Holzteile und Pfeifen mussten erneuert werden. Bei der Restaurierung des historischen Prospektes kamen die originale blaugraue Farbe von 1707 und einige übertünchte goldfarbene Verzierungen zum Vorschein. Um den immer gefährlicher nach vorne kippenden historischen Prospekt aus massivem Eichenholz zu stabilisieren, war 2006 eine erneute Renovierung der Orgel erforderlich, die durch die Firma Paschen Orgelbau, Kiel ausgeführt wurde. Dabei musste das gesamte Orgelinnere ausgebaut und das durch die zahllosen Umbaumaßnahmen zersägte Gehäuse mit Grundrahmen in seiner alten Stabilität wieder hergestellt werden. Der Spieltisch wurde erneuert und die Orgel erhielt eine historische Stimmung: die Neidhardtsche Temperatur für eine kleine Stadt.

Die Orgel hat 25 klingende Stimmen, d.s. 1924 Pfeifen, zwei Tremulanten sowie drei Koppeln; mechanische Spiel und Registertraktur.

Angaben zur Disposition unserer Orgel finden Sie hier.

 

Die Stiftertafel mit der Jahreszahl 1710 erinnert an Graf Friedrich Adolf zur Lippe (1667-1718) und seine Gemahlin Amalie von Solms-Hohensolms (1678-1746), und war ursprünglich bereits 1707 an der Orgel angeheftet. Im Abnahmebericht der Orgel von 1708 wird die Schnitzkunst des Wappens gelobt und erwähnt, "daß unten an der Orgel ...  ...  ... hoch gräflich-hochherzoglich. Wappen auf gründl. permission von recht sauberer arbeit ausgehauen undt angeheftet worden, worunter noch ein Feld offen, unter erwartung gräfl. Verordnung, wie und ausstand der gräfl. herrschaftliche Namen darin gehauen werden solle;” vielleicht hat es bis 1710 gedauert mit der Fertigstellung. Symbole: Lippische Rose, sechsstrahliger Stern und Schwalbe: Schwalenberg; drei schwarze Maueranker: Schenkung von Vianen bei Utrecht; Eisenhutfehreihen auf rot: Ameiden bei Utrecht; Helme: Sternberg, Vianen; Lippe; Ameiden; Schwalenberg.